Bericht über das Symposium am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik, 24. November 2025

von Liudmila Eramova

Am 24. November 2025 veranstaltete die Universität Wien am Institut für Byzantinistik und Neogräzistik ein Symposium mit zwei wissenschaftlichen Vorträgen. Die Veranstaltung war Teil einer Reihe, die von der Graduiertengruppe für Spätantike und Byzantinistik im laufenden akademischen Jahr organisiert wurde.
Die erste Referentin war Theresa Bachhuber, die 2022 ihren Master in Mittelalterlicher Geschichte an der LMU München mit einer Arbeit über das Handlungsvermögen und die politischen Strategien dreier sizilianischer Königinnen (Konstanze I.–III.) erwarb. In ihrem Vortrag mit dem Titel „Das normannische Palermo zwischen christlicher Hegemonie und Convivencia” untersuchte sie, wie Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Religionen im Palermo des 12. Jahrhunderts eine zusammenhängende Gemeinschaft bildeten. Unter Verwendung des Konzepts der Convivencia („Zusammenleben”) anstelle des konventionelleren und schwammigeren Begriffs der Toleranz lieferte sie eine überzeugende Darstellung der sozialen Hierarchien im mittelalterlichen Palermo, der rechtlichen Rahmenbedingungen für verschiedene religiöse Gruppen und der Organisation des städtischen Raums. Jüdische Synagogen befanden sich in der Nähe muslimischer Friedhöfe in einer Stadt, deren Hauptkathedrale historisch als griechisch-christliche Kirche, Moschee und katholische Basilika gedient hatte.

Der zweite Redner war Giuseppe Mendicino, Doktorand an der Universität Mailand und Gastdoktorand an der Central European University in Wien. Er erwarb seinen Master-Abschluss in Philologie und Geschichte der Antike an der Universität Pisa mit höchster Auszeichnung und schloss seine Dissertation mit dem Titel „La Musa indimenticata: studi su quattro papiri musicali” ab. In seinem Vortrag „From Theory to Practice: Byzantine Approaches to Metrics and Tzetzes’ Lesson par l’exemple” (Von der Theorie zur Praxis: Byzantinische Ansätze zur Metrik und Tzetzes’ „Lesson par l’exemple”) stellte er einen Teil seiner laufenden Dissertation vor, deren Ziel es ist, eine neue kritische Ausgabe des Gedichts „Poem on Metre” von Johannes Tzetzes (12. Jahrhundert) zu erstellen. Mendicino gab einen detaillierten Überblick über die im mittelalterlichen Byzanz verbreiteten metrischen Formen und erklärte, wie Tzetzes ein ganzes didaktisches Gedicht unter Verwendung verschiedener metrischer Muster zur Veranschaulichung für seine Schüler verfasste. In seinem Vortrag betonte er die Bedeutung von Rhythmus und Metrik in der byzantinischen Literaturkultur und Bildung.
Wir bedanken uns herzlich bei den Referenten und allen Teilnehmern und laden alle, die sich für Byzantinistik interessieren, herzlich ein, sich für weitere Ankündigungen aus dem Institut auf dem Laufenden zu halten.

Das LABS-Team